498 oder 831 Jahre Amortisationszeit über die Energieeinsparung…

Der Landrat scheint ja der Meinung zu sein, dass beim Bürger als erstes und gewichtigstes Argument natürlich die Energieeinsparung steht…wenn man dem Bürger verkaufen kann, dass wir Energie sparen ist es seiner Meinung nach wohl völlig irrelevant wie hoch der Aufwand sein wird um ein klein wenig Energie zu sparen.

Es gibt ein kleines Rechenexempel:

Dem öffentlich aushängendem Energieausweis unseres Landratsamtsgebäudes liegen folgende Kenndaten zugrunde:

Hauptnutzung/Gebäudekategorie Ämtergebäude größer 3.500 m³ NGF
Adresse LRA BGL

83435 Bad Reichenhall

Gebäudeteil gesamtes Gebäude
Baujahr Gebäude 1980 (Neubau 2003)
Baujahr Wärmeerzeuger 2003
Baujahr Klimaanlage
Nettogrundfläche  9276.00 m²

Heizenergieverbrauchskennwert nach altem Energieausweis: 69,4 kWh/(m²a)

Dies entspricht gerundet: ca. 7 m³ Erdgas pro m²a

Dies entspricht gerundet: ca. 7 Liter Heizöl extra leicht

Dies entspricht gerundet: ca. 0,105 Schüttraummeter Hackgut

Heizenergieverbrauchskennwert nach (gerüchteweisen) neuen Energieausweis: ca. 117,0 kWh/(m²a)

Dies entspricht gerundet: ca. 11,7 m³ Erdgas pro m²a

Dies entspricht gerundet: ca. 11,7 Liter Heizöl extra leicht

Dies entspricht gerundet: ca. 0,1755 Schüttraummeter Hackgut

Der angeblich neue Energieausweis konnte auf Nachschau nicht wie vorgeschrieben im öffentlich zugänglichen Eingangsbereich aufgefunden werden.

Stromverbrauchskennwert: 39,0 kWh/(m²a) – (enthält: Heizungsstrom, Warmwasser, Lüftung, eingebaute Beleuchtung)

Heizenergie für das Gebäude

9.276 m² x 7 L Heizöl el pro Jahr: 64.932 Liter Heizöl el (alter Energieausweis)

9.276 m² x 11,7 L Heizöl el pro Jahr: 108.529,20 Liter Heizöl el (angeblich neuer Energieausweis)

oder

9.276 m² x 7 m³ Erdgas pro Jahr: 64.932 m³ Erdgas (alter Energieausweis)

9.276 m² x 11,7 m³ Erdgas pro Jahr: 108.529,20 m³ Erdgas (angeblich neuer Energieausweis)

oder

9.276 m² x 0,105 Schüttraummeter Hackgut pro Jahr: 973,98 Schüttraummeter Hackgut (alter Energieausweis)

9.276 m² x 0,1755 Schüttraummeter Hackgut pro Jahr: 1627,94 Schüttraummeter Hackgut (angeblich neuer Energieausweis)

Für die Preisrechnung bleiben wir der Einfachheit halber nun beim Heizöl el:

Bei Barzahlung würde der Liter Heizöl el bei Großabnahme von 32.000 Litern, also viermal mal im Jahr tanken, heute, 10.04.2019 – 09.32 Uhr folgendes kosten:

69,51 Euro inklusive MwSt. pro 100 Liter.

Hochgerechnet auf die benötigten 64.932 Liter pro Jahr (alter Energieausweis) wären das: 45.134,23 €/Jahr

Hochgerechnet auf die benötigten 108.529,20 Liter pro Jahr (neuer Energieausweis) wären das: 75.438,65  €/Jahr

Die „angesagte“ Bausumme liegt laut Kreistagsbeschluss bei:

37.540.000 Euro

Da sich ja jedes „Investment“ ja mal rechnen sollte:

37.540.000 Euro für den Neubau geteilt durch die o.g. Energieeinsparung pro Jahr unter der Annahme dass ein Null-Energie-Verwaltungsgebäude erstellt wird ergibt eine Zeit von:

nach altem Energieausweis: 831 Jahre

nach neuem Energieausweis: 498 Jahre

um über die Energieeinsparung das neue Gebäude „zu finanzieren“.

Die notwendige wie vorbildhafte Energieeinsparung wird in den Presseaussendungen des Landrats als DAS Hauptargument genutzt um dem Landkreisbürger diese gigantische Steuergeldverschwendung „schmackhaft“ zu machen. Siehe Landratsinterview vom Freitag, 05.01.2018 – Nummer 4 – Seite 17 im Reichenhaller Tagblatt. Angesichts dieser für jeden Laien nachvollziehbaren Zahl darf man einfach nur unterstellen, dass der Landkreisbürger mit Anlauf für dumm verkauft werden soll.

Nach Lage der Dinge war den (meisten) Kreisräten weder der hauseigene Energieausweis noch diese Rechnung bei Beschlussfassung bekannt. Dieser Zeitrahmen sprengt jedes vernünftig darstellbare Argument für umfassende energetische Sanierungen an dem bestehenden Gebäude. Es ist schlicht nicht notwendig, da das Gebäude nach altem Energieausweis im Verhältnis zu seiner Größe nur soviel Energie verbraucht wie ein Niedrigenergiehaus nach EnEV 2002. Nachlesbar über diesen Link.

Über diesen Link kann man in Wikipedia eine Tabelle einsehen welche die aktuellen Verbrauchswerte jeweils nach EnEV und dem zugehörigen Jahr darstellt. Rechnet man nun nach obiger Rechnung die heute durch die EnEV verlangte Werte um so stellt man fest, dass das „Energieeinsparungsargument“ des Landrats fast schon an einen „Enkeltrick“ erinnert…..Zynismus: Aus