Bürowelten? …zurück in die Vergangenheit!!

Ein weiteres Hauptargument und eine Sanierung extrem verteuernde Idee ist die Schaffung von sogenannten “Bürowelten”, etwas banaler und landläufiger ausgedrückt, schlicht “Großraumbüro” genannt.

Durch diese Absichtserklärung und Planungsvorgabe wird die mögliche Sanierung extrem schlecht gerechnet, da auf diesem Wege die ebenfalls vom Landrat angesprochenen, “angeblich” zu geringen Geschoßhöhen ins Spiel kommen.

Aktuell verfügt der jetzige Gebäudekomplex im EG und im OG 1 wohl durchgehend über knapp 2,6 m Geschoßhöhe. Um die Kosten extrem in die Höhe zu treiben, wird vom Landrat nun die Schaffung der o.g. Bürowelten massiv als Grundkonzept für die künftige Nutzung gefordert. Dies hat die Folge, dass nach Arbeitsstättenrichtlinie tatsächlich höher gebaut werden müsste, die Kosten hierfür wären in der Tat exorbitant hoch.

Welchen Sinn machen die o.g. “Bürowelten”, betrachtet aus Arbeitnehmerseite?

Wer suchet, der findet! So sagt es ein altes Sprichwort. Binnen fünf Minuten Recherche zum Thema kommt man auf eine Studie der Hochschule Luzern für Technik & Architektur vom April 2010 welche sich exakt mit diesem Thema befasst

SBiB-Studie Schweizerische Befragung in Büros

Hochschule Luzern – Technik & Architektur / Kompetenzzentrum Typologie & Planung in Architektur (CCTP): Sibylla Amstutz, Sandra Kündig // SECO-Arbeit und Gesundheit:  Dr. Christian Monn // Bern, Horw – April 2010

Die Studie ist sehr aufschlussreich und beleuchtet folgende Einzelthemen:

  • Umgebungsfaktoren
  • Arbeitsgestaltung und Unterbrechungen
  • Stressigkeit, Erholungsbedarf, Zufriedenheit im Allgemeinen mit der Arbeit
  • Symptome
  • Absenzen (Krankheit)

Krankheitsabsenzen – Situation in den verschiedenen Bürotypen

Bei den Krankheitsabsenzen (ohne Unfall) gab es zwischen den Bürotypen statistisch signifikante Unterschiede. Für die Auswertung wurden die Absenzen von 1–3 Tagen bis Absenzen, die mehr als 10 Tage dauerten, zusammengefasst. In Einzelbüros kommen krankheitsbedingte Absenzen deutlich weniger häufig vor als in Büros mit 2–15 Personen und Büros mit noch mehr Personen. Am häufigsten sind die Befragten in Büros mit mehr als 16 Personen aufgrund von Krankheit abwesend (Abbildung 5.34).

Berliner Zeitung – Wirtschaft – Enge, Krach, Stress: Wie krank macht uns das Großraumbüro (die Bürowelt)?

Berliner Zeitung – Zeitungsartikel

In diesem Artikel wird das lange Zeit als Zukunftsmodell gehandelte “Großraumbüro”, frei nach Landrat Grabner nun “Bürowelten” genannt, näher betrachtet.

“Das Großraumbüro galt lange als Zukunftsmodell – doch für viele Mitarbeiter wurde es zum Alptraum: Immer
mehr Berufstätige arbeiten mittlerweile in Räumen mit zehn Arbeitsplätzen und mehr. Die Privatsphäre ist gleich
null, stattdessen herrscht oft das Gefühl sozialer Kontrolle. Das hat Folgen: Verschiedenen Studien zufolge fühlen
sich Beschäftigte in Großraumbüros schneller gestresst, sind weniger produktiv und werden auch leichter krank.
Neunzig Prozent der Mitarbeiter berichten in einer australischen Studie über negative Einflüsse auf ihre Psyche
und Gesundheit. (http://eprints.qut.edu.au/16732/)”

Welt – Wirtschaft, Arbeitskommunikation – Zeitungsartikel vom 20.07.2018

Einführung von Großraumbüros führt zu “perversem” Ergebnis

Auch das große und anerkannte Print-Medium “Welt” hat sich mit dem Thema auseinandergesetzt. Die Welt kommt zu dem Schluss, dass die Einführung von Großraumbüros, neuzeitlich “Bürowelten” genannt, zu “perversem” Ergebnis führt.

Die Welt bezieht sich auf eine Studie der ebenfalls hoch anerkannten Harvard Business School, wonach es starke Zweifel daran gibt, dass in Großraumbüros die Kreativität und die Kommunikation ein positiver Faktor sein könnten.

Kernaussagen der Studie sind:

  • Produktive Zusammenarbeit reduziert sich
  • Großraumbüros brauche zusätzliche Rückzugsräume

Letztendlich spielt für eine gute Arbeitsatmosphäre auch die Unternehmenskultur eine entscheidende Rolle – ein Faktor, der in der HBS-Studie gar nicht vorkommt. „Das Bürokonzept ist nur ein Baustein von vielen. Wenn Unternehmen ins Großraumbüro umziehen, müssen sich auch das Führungsverständnis und die Unternehmenskultur ändern.

Apple Park: Mitarbeiter rebellieren gegen Großraumbüros im Campus 2

Mitarbeiter hassen die offen Büro-Struktur regelrecht

Dem Bericht zum Apple-Park ist ebenfalls die absolute Unzufriedenheit mit der offenen Bürostruktur zu entnehmen.

Wobei eines auch festgestellt wird:

“Die neue Sitzordnung gilt übrigens nicht für hochrangige Manager des Konzerns: Denn die haben in der vierten Etage des Apple Park separate Büros und somit ihre Ruhe.”

Dies könnte man übertragen auf das LRA BGL:

Die neue Sitzordnung gilt übrigens nicht für hochrangige Mitarbeiter und den Landrat selbst. Denn diese haben in der oberen Etage des Grabner-Parks separate Büros und somit ihre Ruhe.

Diese Aufzählung ließe sich noch beliebig verlängern.

Offensichtlich haben sich die Angestellten im LRA BGL schon lange über das was sie mit einem Neubau in der beabsichtigten Form erwartet, auseinandergesetzt. Die oberen sitzen oben und haben alle Mitarbeiter im Großraumbüro vor sich, was natürlich eine stringente Überwachung der Tätigkeit erlaubt.

Warum ist bis zum heutigen Tag keine Äußerung der Personalvertretung zum Neubau und dem Thema “Großraumbüros” bzw. “Bürowelten” zu hören?